Gefahren- & Krisenmanagement

"So lange sich ein Problem auszubreiten beginnt, sind schwache Signale schwer zu erkennen, aber einfach zu beheben. Mit der Zeit dreht sich dieses Verhältnis um"                 Karl E. Weick


Wir leben in einer globalisierten Welt, in der die technische Entwicklungen unser Leben sehr vereinfachen. Allerdings führen diese Entwicklungen auch dazu, dass die Systeme mit und in denen wir leben, immer komplexer und damit störanfälliger werden:

 

Covid-19

Aufgrund stark vernetzten Gesellschaften und Wirtschaften konnte sich Covid-19 explosionsartig binnen weniger Monate weltweit ausbreiten und führte zu einer beispiellose Verkettung globaler gesundheitlicher, wirtschaftlicher, sozialer, institutioneller und politischer Probleme und Krisen.

 

Suez Kanal 2021

Die Havarie der Ever Given im Suezkanal hat gezeigt, welche Auswirkungen ein einziges Ereignis auf die Weltwirtschaft haben kann: Das Schiff blockierte sechs Tage den Suez Kanal, 422 Schiffe mussten warten, was wiederum zu weiteren Problemen bei lokalen (Ziel-) Häfen, der Logistikketten bis hin zur Warenproduktion führte.

 

Unwetter 2021, Deutschland:
Am 12.07.2021 informierte der Deutsche Wetterdienst (DWD) über eine Wetterlage mit hohem Unwetterpotenzial. Was dieser Warnung folgte, legte die Probleme der deutschen Krisenbewältigung offen: Das lokale Gefahrenpotenzial der Informationen des DWD konnte lokal nicht gedeutet werden oder die Information über die Unwetterlage liefen ins leere; bürokratische Meldeketten versagten, Entscheidungen konnten nicht schnell und zielgerichtet getroffen werden.

Pläne bieten keine ausreichende Sicherheit

Mittels Pläne wird versucht , solchen Ereignissen vorzubeugen. Pläne sind zweifelsfrei wichtige Werkzeuge, sochlen konfliktgeladenen Situationen zu begegnen.  Aber Pläne reichen eben nicht aus, um Kontrolle über so eine (uns unbekannte) Situation zu erlangen. Denn diese Situationen halten sich nicht an Pläne, sondern sind chaotisch, komplex und entwicklen sich dynamisch! Wie die Beispiele zeigen, wurden die Menschen von den eintretenden Ereignissen überrascht. Allerdings traten diese nicht ohne Vorwarnungen auf, nur wurden die Zeichen nicht frühgenug erkannt...

"Krisen passieren nicht zufällig, sie entwickeln sich!" David Rubens

Untersuchungen dieser und ähnliche Ereignisse haben gezeigt, dass hierarchische Kontroll- und Kommunikationssysteme nicht (mehr) dazu geeignet sind, Krisen des 21 Jahrhunderts zu bewältigen. Das Problem besteht in einer extremen Vernetzung vieler unterschiedlicher, lokaler wie globaler Bereiche. Eben diese Vernetzung - gepaart mit einer unübersichtlichen Anzahl an Stakeholdern mit zum Teil divergenten Interessen führt dazu, dass sich Ereignisse dynamisch entwickeln und an Komplexität stetig zunehmen. 

Bürokratische und vorgefertigte Notfallreaktionsprogramme reichen in der heutigen Zeit für eine Krisenbewältigung nicht mehr aus.

Die Krisen des 21. Jahrhunderts erfordern zunehmend Kooperation,  verbesserte (soziale wie technische) Fähigkeiten für Informations- und Kommunikationsprozesse und nicht zuletzt ein neues Rollenverständnis von Führung! Ein Krisenbewusstsein gilt es zu fördern, behördenübergreifend Handlungsroutinen zu üben, Kooperationen aufzubauen und Vertrauen zu schaffen. 

Für den Aufbau und die Umsetzung eines funktionsfähigen Krisenmanagements bedarf es daher nicht nur eines theoretischen Konzeptes , sondern ein routiniertes, behördenübergreifendes Verhalten zu trainieren, so dass im Extremfall auf Handlungsroutinen zurückgegriffen werden kann.